Braucht eine Kathedrale ein Logo?

Braucht eine Kathedrale ein Logo?

In Paris traf ich Laurent Ungerer, einen Grafik-Designer, der weltweit für große Institutionen arbeitet. Der Louvre in Abu Dhabi gehört ebenso zu seinen Kunden wie die Pariser Oper oder das Centre Pompidou. Laurent ist der Neffe des bekannten Zeichners Tomi Ungerer, stammt wie er aus Strasbourg.

Laurents letztes Projekt war die visuelle Identität für die wiedererstandene Kathedrale Notre Dame. Lachend zeigt er einen Bilderbogen von Aufschriften, die er in der Kirche fotografiert hat. Von historischen Beschriftungen eines Kreuzweges bis zum laminierten Zettel mit dem Hinweis auf die Toiletten: „so arbeiten Menschen eben – feierlich, aber auch ganz zweckorientiert, wenn es um Banales geht!“ Für all das hat er nun einen Satz von Symbolen entworfen, die von Menschen aus jedem Kulturkreis verstanden werden, und dazu eine Schriftart, die einerseits von der 2000 Jahre alten antiken Römischen Schrift, andererseits von der aus Klöstern des 7. Jahrhunderts abgeleitet ist.

Das Hauptwerk war aber das Logo für die Kathedrale: Wie kann man eine Kirche für Gläubige und Touristen aus nicht katholischen Ländern gleichermaßen symbolisieren? Wie kann die Ergriffenheit von Katholiken ebenso dargestellt werden wie das Gefühl der Pariser, deren Kathedrale (Notre Dame = Unsere Dame) Zentrum der Stadt / des ganzen Landes ist? Und wie kann so ein Logo als bewegte Projektion ebenso funktionieren wie winzigklein am Briefpapier?

Im neuen Symbol für Notre Dame lässt Laurent das große Rundfenster aus der Fassade leuchten, mit 40 Strahlen, die der mystischen Zahl des Christentums entspricht (40 Tage Sintflut, Moses war 40 Jahre durch die Wüste unterwegs, 40 Tage Fastenzeit…). Im Logo verschmilzt die Silhouette der Kirche mit der Monstranz: Entstanden ist nicht nur ein wunderschönes Symbol mit Strahlkraft, sondern auch eine neue visuelle Identität der Kathedrale.

Für mich als Flaneur durch die Städte Europas gehören solche Begegnungen, solche Diskussionen mit fantastischen Künstlern zu den Höhepunkten meiner Reisen, und speziell in Paris treffe ich oft auf die Menschen, deren Inspiration meine Phantasie dann dauerhaft bestrahlt.

https://c-album.fr/en/project/notre-dame-ecriture
https://c-album.fr/en/project/symbol

Das erste Haus am Platze

Das erste Haus am Platze

Als ich in den 1980ern die Stadt erforschte, wurde ich auf ein seltsames Mietshaus aufmerksam. Es war ein dunkler Kasten an der Taborstraße, und ging man hinein, verlor man sich im seltsamen Grundriss: Drei Stiegenhäuser, etliche Lichthöfe, Unmengen von Wohnungen, eigenartige Mieter. Ich wanderte durch das gestapelte Dorf, kam an kleinen Plätzen ebenso vorbei wie an Weggabelungen, an denen Bewohner im Gespräch vertieft waren; sie verstummten misstrauisch, als ich vorbei ging, und ich fühlte mich wie Kafka in seinem Schloss.

Viel später erfuhr ich die Geschichte des Hauses: Das Hotel National war das erste Grand Hotel der Stadt und brachte 1848 bisher unbekannten Luxus ins damals noch verschlafene Wien, lange vor dem Glanz von Gründerzeit, Weltausstellung oder Belle Epoque. Es war hochmodern: Tiefgarage (für 50 Pferde) und Dachterrasse gehörten ebenso zum Projekt wie ein Kommunikationssystem für Bestellungen und Zentralheizung.

Das Ende begann im I. Weltkrieg: Die Heeresverwaltung beschlagnahmte zwei Stockwerke, danach verkaufte der Eigentümer das Haus an Betrüger. Die Jahre danach waren turbulent, viele Zimmer waren zu Dauerwohnungen umgewandelt worden, ein regulärer Hotelbetrieb gelang nicht mehr und wurde 1932 offiziell aufgelassen. Die Nazis brachten hier Polizeidienststellen unter, das Haus wurde zwar restituiert, die Erben verkauften aber 2009 an das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Nach langen Kämpfen haben sie sich nun durchgesetzt: Die letzten Mieter haben das Haus verlassen, außer der Fassade und dem Hauptstiegenhaus wird die historische Substanz den Umbau zu einem Spital geopfert. Dass bei den zahlreichen Hotelprojekten in Wien gerade das ehemalige Hotel National abgerissen werden muss, schmerzt.

Für das Buch „Geheimnisse Wiener Hotels“ habe ich unter anderem auch dieses Gebäude fotografiert

Der erste Mensch im All

Der erste Mensch im All

Er flog in einer Nußschale um die Erde und wurde damit unsterblich wie Christoph Columbus – und er beschrieb als erster, wie schön unsere Welt ist:

„Ich sehe die Erde! Ich sehe die Wolken, es ist bewundernswert, was für eine Schönheit“

Erst vor 65 Jahren hat zum ersten Mal ein Mensch die Atmosphäre verlassen, ist Juri Gagarin nach einem nicht mal zweistündigen Flug um die Erde sicher gelandet – und hat damit die Amerikaner traumatisiert. Anders als damals gedacht blieb der Weg ins Weltall ein schmaler Pfad, und die Umlaufbahnen sind inzwischen so voller Müll, dass die Raumfahrt vor Problemen steht: Menschen eben.